Tallinns Sehenswürdigkeiten zu Fuß entdecken
Tallinn lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden. Die Reisefüchsin-Route durch die estnische Hauptstadt misst rund 80 Minuten – zumindest, wenn man die reine Gehzeit betrachtet. Der Fußmarsch verbindet barocke Parkanlagen, mittelalterliche Gassen und sowjetische Architektur. Startpunkt ist das Schloss Katharinental (1). Von dort erreichst du die Altstadt in etwa 30 Minuten. Der Rundgang durch das mittelalterliche Zentrum beginnt am Virutor (2), führt durch die Katharinenpassage (3) und über den Rathausplatz (4) hinauf auf den Domberg (5). Über eine Treppe an der Aussichtsplattform Patkuli verlässt du den Domberg wieder. Das letzte Teilstück bis zur Linnahall im Hafengebiet ist ein rund 20-Minuten-Spaziergang und bildet einen spannenden Kontrast zum historischen Kern der Stadt.






Schloss Katharinental (1): Entspanne im Barockgarten!
Das Schloss Katharinental fällt vor allem durch seine markante rote Fassade und den russischen Barockstil ins Auge. Zar Peter der Große ließ es für seine zweite Ehefrau Katharina erbauen. Als das Schloss 1725 nach jahrelanger Bauzeit fertiggestellt war, war Peter bereits verstorben – und Katharina zeigte wenig Interesse an der Residenz. Später nutzte Katharina die Große das Schloss nur gelegentlich.
Heute ist der weitläufige Schlosspark ein beliebter Ort zum Flanieren und Entspannen. Zwischen symmetrischen Blumenbeeten und alten Alleen lässt sich der Trubel der Stadt schnell vergessen. Hinter dem Schloss liegt das estnische Präsidentenpalais.

Das Virutor (2) – Eingang zur Tallinner Altstadt
Vom Schloss Katharinental führt der Weg in rund 30 Minuten zum Virutor, dem wichtigsten Zugang zur Tallinner Altstadt. Das mittelalterliche Stadttor wurde erstmals 1362 erwähnt und war einst Teil einer komplexen Befestigungsanlage mit Hauptturm, Vor- und Haupttor sowie einer Windmühle zwischen den Toren. Diese war noch bis ins 19. Jahrhundert in Betrieb.
Heute sind nur noch die beiden Rundtürme und das Vortor erhalten. Dennoch markiert das Virutor nach wie vor symbolisch den Eintritt in die Altstadt, die noch immer weitgehend von der historischen Stadtmauer umschlossen ist.

Katharinenpassage & Rathausplatz – Herz der Altstadt
Nahe dem Virutor geht die Route weiter zur Katharinenpassage, auch Mönchspassage genannt – benannt nach dem ehemaligen Dominikanerkloster. Der schmale Kopfsteinpflasterweg zählt zu den stimmungsvollsten Ecken der Altstadt. Entlang der Passage finden sich kleine Werkstätten, in denen Handwerkskunst nach alter Tradition gepflegt wird. Im Winter waren aber viele geschlossen.
Am Ende der Passage halte Ausschau nach dem Rathausplatz, dem Herzen der Altstadt. Hier laden zahlreiche Cafés zu einer Pause ein – ein Highlight sind allerdings die Taverenen, in denen du wie im Mittelalter speist. Unbedingt sehenswert ist die historische Ratsapotheke, eine der ältesten Apotheken Europas und Naschkatzen müssen einen Abstecher ins Café Maiasmokk machen. Es soll den Zar in St. Petersburg beliefert haben und heute Estlands ältestes Caféhaus sein. Der Reisefüchsin Tipp: die handgemachten Pralinen im Shop kannst du einzeln kaufen. Café Maiasmokk, Öffnungszeiten: tägl. von 09:00-21:00 Uhr
Alleinreise nach Tallinn – drei mittelalterliche Erlebnisse





Domberg Tallinn – Aussicht über die Dächer der Altstadt (5)
Der Domberg (Toompea) bildet den vorletzten Höhepunkt einer Route durch die Tallinner Altstadt. Vor dem Aufstieg lohnt sich – je nach Hunger – ein kurzer Abstecher ins Kompressor, ein beliebter Pub. Die Preise für estnische Pfannkuchen sind günstig. Ob süß oder herzhaft: Die Auswahl ist groß. Hier kommt also jede Reisefüchsin auf ihren Geschmack. Oben angekommen, wird man mit mehreren Aussichtspunkten belohnt, die einen weiten Blick über die Dächer der Altstadt bis hin zur Ostsee eröffnen.
Historisch gesehen ist der Domberg das politische Herz Tallinns. An seiner Stelle stand ursprünglich eine hölzerne Festung, die im 10. Jahrhundert durch eine steinerne Burg ersetzt wurde. Nach der Eroberung durch die Dänen im Jahr 1219 entstand eine neue Burganlage. 1346 übernahm der Deutsche Orden die Oberstadt, während auch der Bischof hier seinen Sitz hatte. Die Unterstadt hingegen war überwiegend von Esten bewohnt und sozial klar getrennt. Die wirtschaftliche und politische Elite stellten die baltendeutschen Kaufleute, die Hanse. Ihr Einfluss war so groß, dass Deutsch trotz wechselnder Herrschaftsverhältnisse – dänisch, schwedisch und schließlich russisch – bis 1865 Amtssprache blieb. Verwaltungstechnisch blieben Ober- und Unterstadt sogar bis 1877 strikt voneinander getrennt.



Ziel: Linnahall Tallinn – Lost Place mit Ostseeblick
Im Hafengebiet wartet mit der Linnahall ein Relikt der sowjetischen Moderne. Die Tallinner Stadthalle, ursprünglich als Leninpalast für Kultur und Sport errichtet, wurde 1980 für die Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele genutzt, die sonst überwiegend in Moskau stattfanden. Heute steht das monumentale Bauwerk unter Denkmalschutz.
Offiziell darf die Linnahall nur im Rahmen von Führungen betreten werden. Das Dach ist jedoch über Außentreppen frei zugänglich und bietet einen weiten Blick auf die Ostsee – ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Fotografinnen. Westlich der Linnahall lag einst der alte Hafen, an den heute nur noch eine Informationstafel mit historischen Fotos erinnert. Der aktive Hafen befindet sich östlich der Anlage. Von hier aus starten täglich Passagierschiffe zu Tagesausflügen nach Helsinki in Finnland.






Fazit
Der Spaziergang durch Tallinn überzeugt mit viel Abwechslung: ein idylischer Barockgarten, eine sehenswerte Altstadt sowie ein faszinierender Lost Place der sowjetischen Moderne. Rund um den Rathausplatz finden sich zahlreiche Einkehrmöglichkeiten – auch für die kleine Geldbörse. Mit Verweildauer dauert die Tour zwar länger als 80 Minuten, lässt sich jedoch locker an einem Tag schaffen. Nütze nach Möglichkeit die Gelegenheit, den Tag bei einem Picknick und Sonnenuntergang mit Blick auf den Finnischen Meerbusen ausklingen zu lassen.
Infobox
Café Maiasmokk
Öffnungszeiten: tägl. von 09:00-21:00 Uhr
Tipp: Im Shop gibt es einzele Parlinen nach Wahl, ab 2.20 Euro
Der Kaffee am Tisch kostete 3,30 Euro
Kompressor
Öffnungszeiten: tägl. von 11:00-22:00 Uhr
Tipp: Pfannkuchen 7-8 Euro
Quellen
Alleinreise nach Tallinn – drei mittelalterliche Erlebnisse
