Was eine Umfrage der Reisefüchsin über das Reiseverhalten von Frauen verrät

Wenn Frauen reisen, ist Freiheit das Ziel

Reisen ist längst mehr als Ortswechsel. Es ist Ausdruck einer Haltung, ein Mittel zur Selbstverortung – manchmal auch Widerstand gegen Routinen und Erwartungen. Die Umfrage der Reisefüchsin gibt Einblick in Motive, Entscheidungsräume und Grenzen, die Frauen beim Reisen erleben. Ergänzt werden diese Ergebnisse durch Beobachtungen der Reisefüchsin, die das Reiseverhalten von Frauen im Marktumfeld einordnen. Auf Basis von Marktbeobachtungen zeigt sich: In bestimmten Bereichen haben Frauen ihre Entscheidungen bereits getroffen, auf die der Markt erst verzögert reagiert.


Wenn Frauen schneller sind als der Markt

Warum Abenteuerreisen in Gruppen weiblicher werden

Soloreisen gewinnen seit Jahren an Bedeutung. Viele Alleinreisende nutzen dabei Angebote in Kleingruppen, die ein aktives oder abenteuerorientiertes Reiseerlebnis versprechen, etwa Trekking- oder Aktivreisen. Reiseveranstalter reagieren auf diese Nachfrage mit neuen Modellen, darunter einheitliche Preise, der Verzicht auf Einzelzimmerzuschläge sowie speziell konzipierte Angebote für Alleinreisende.

Aus der Beobachtung der Reisefüchsin zeigt sich jedoch auffälliges Muster: Um ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis zu gewährleisten, reservieren einzelne Veranstalter gleich viele Plätze für Frauen wie für Männer. In der Praxis führt dieses Vorgehen jedoch nicht immer zu einer gleichmäßigen Auslastung. Insbesondere die für Frauen vorgesehenen Plätze sind häufig frühzeitig ausgebucht, während Plätze für Männer teilweise unbesetzt bleiben. In der Folge starten manche Reisegruppen mit einer geringeren Teilnehmendenzahl oder mit einem höheren Frauenanteil als ursprünglich geplant.

Diese Entwicklung deutet auf eine bislang unterschätzte Nachfrage hin: Frauen entscheiden sich zunehmend bewusst für gruppenbasierte Abenteuerreisen mit anspruchsvollen Routen, unbekannten Regionen und körperlichen Herausforderungen. Während manche Anbieter weiterhin auf eine formale Ausgewogenheit der Geschlechter abzielen, scheint ein Teil der Zielgruppe diese Entscheidung bereits für sich getroffen zu haben.

„Abenteuer ist meine Entspannung“

Warum Frauen bewusst neue Reiseziele wählen

Erholung bedeutet für viele Frauen nicht Rückzug ins Vertraute, sondern Bewegung ins Unbekannte. Die Umfrage zeigt ein klares Muster: Bekannte Reiseziele verlieren an Attraktivität, während die Neugier auf neue Länder, Landschaften und Kulturen wächst.

Beinahe 90 Prozent der befragten Frauen geben an, meistens einen ihr unbekannten Ort als Reiseziel zu wählen. Motive wie “den Horizont erweitern“ oder „etwas Neues“ zu erleben stehen im Vordergrund. Die Welt ist groß – und sie will entdeckt werden.

Mehr als 60 Prozent der Befragten stimmen zudem der Aussage zu:

„Reisen ist Abenteuer, aber kein Urlaub.“

Sätze wie

„Abenteuer ist meine Form von Entspannung“

„Urlaub kann ich auch Zuhause machen“

verdeutlichen ein verändertes Verständnis von Erholung. Reisen wird zur bewussten Unterbrechung des Alltags – eben nicht, um nichts zu tun, sondern um was Neues zu tun. Neugier ersetzt Routine, Fremdheit wird zum Erholungsraum.


Allein unterwegs

Freiheit als wichtigstes Reiseziel

Warum reisen Frauen alleine? Die häufigste Antwort ist überraschend eindeutig: Freiheit. Alleinreisen bedeutet, Entscheidungen nicht erklären zu müssen, Kompromisse hinter sich zu lassen, den eigenen Rhythmus zu finden. Viele empfinden Soloreisen als weniger stressig – gerade weil niemand mitentscheiden muss.

So begründen Frauen ihre Entscheidung, alleine zu verreisen:

„Man muss es niemandem recht machen – das ist viel stressbefreiter.“

„Mehr Urlaub, mehr Abenteuer – kein Stress, keine Diskussionen, keine Hektik.“

„Flexibilität, Entscheidungsfreiheit.“

„Ich kann gut auf mich alleine aufpassen. Sobald man zu zweit oder zu dritt ist, gibt es zu viele Bedürfnisse zu berücksichtigen.“

„Keine Verpflichtungen. Man kann alles selbst gestalten und einteilen.“

Partnerschaften werden dabei nicht grundsätzlich infrage gestellt, aber durchaus relativiert. Partner gelten in den Antworten nicht selten als bremsend. Allein zu reisen heißt, sich zeitweise aus Rollen, Erwartungen und Beziehungsmustern zu lösen – und sich die Welt im eigenen Tempo anzueignen.


Unterwegs auf eigene Art

Wie Frauen sich durch die Welt bewegen

Bei der Anreise dominieren Flugzeug und Zug. Doch vor Ort zeigt sich ein anderes Bild: Gehen spielt eine zentrale Rolle. Auf die Frage „Welches Verkehrsmittel nutzt du, wenn du auf Reisen bist?“ antworten 43 von 63 der Befragten: Ich gehe auch zu Fuß.

Dieses Verhalten spiegelt Erkenntnisse aus der Mobilitätsforschung wieder. Laut VCÖ (Mobilität mit Zukunft, 2018) sind Frauen im Alltag häufiger zu Fuß unterwegs als Männer – unter anderem durch die Kombination von Öffis und Fußwegen sowie Wege für Einkäufe und Care-Arbeit. Es liegt nahe, dass Frauen dieses Mobilitätsverhalten auch auf Reisen fortsetzen.

Gehen wird hier mehr als Fortbewegung – es ist eine Reisehaltung. Langsam, körperlich, aufmerksam. Wer geht, sieht mehr, bleibt länger stehen, tritt leichter in Kontakt. Für viele Frauen ist das Gehen die bewussteste Art, sich einer Landschaft oder einem Alltag zu nähern – Schritt für Schritt, ohne Eile.

Auch Wandern liegt im Trend. Studien unterscheiden selten nach Geschlecht, doch eine Erhebung aus der Schweiz zeigt: 53 Prozent der Schweizerinnen wandern regelmäßig, etwas mehr als ihre männlichen Pendants (Wandern in der Schweiz 2020).


Freiheit mit Vorbehalt

Sicherheit, Nacht und die Grenzen des Alleinreisens

So selbstverständlich Alleinreisen für viele Frauen geworden ist, so klar benennen sie auch ihre Grenzen. Rund 21 Prozent verbinden mit Soloreisen Einsamkeit. Gleichzeitig geben 46 Prozent an, dass sie grundsätzlich nichts vom Alleinreisen abhält.

Einschränkungen betreffen vor allem die Abend- und Nachtsituation:
17 Prozent reisen zwar allein, gehen abends jedoch nicht mehr aus. Mehr als die Hälfte der Befragten wünscht sich generell mehr Sicherheit – sowohl in Bezug auf Kriminalität als auch beim Fortgehen am Abend.

Studien bestätigen diese Wahrnehmung. Laut Terre des Femmes fühlen sich knapp 60 Prozent der Frauen nachts zu Fuß unsicher. Auch internationale Rankings wie der Women Peace and Security Index zeigen deutliche Unterschiede zwischen Ländern. Im Ländervergleich führen Dänemark, Island und Norwegen das Ranking in Sachen Integration, Sicherheit und Rechte an: https://giwps.georgetown.edu/the-index/

Diese Einschränkungen stellen das Reisen nicht infrage, sie prägen es. Frauen bewegen sich auch in der Ferne nach unsichtbaren Regeln: Uhrzeiten werden bedacht, Wege angepasst, Situationen vermieden. Freiheit existiert – aber nicht grenzenlos.

Bemerkenswert: Selbst Kosten sind kaum ein Hinderungsgrund. Nur acht Prozent nennen das Alleinreisen als zu teuer – etwa wegen Einzelzimmerzuschlägen.

Fazit

Die Umfrage der Reisefüchsin zeigt eine stille, nachhaltige Veränderung. Frauen reisen insbesondere neugierig. Sie definieren Erholung neu, machen Freiheit zu ihrem wichtigsten Reiseziel – und behalten dabei ihre Sicherheit realistisch im Blick.

Allein- und Abenteuerreisende definieren Erholung jenseits klassischer Urlaubsvorstellungen. Dabei handeln sie oft mutiger, als ihnen zugeschrieben wird – nicht trotz möglicher Risiken, sondern mit einem realistischen Blick auf eigene Grenzen.

Dieser Mut ist selten laut. Er zeigt sich im bewussten Alleinreisen, im Gehen durch fremde Städte, im Verzicht auf Bequemlichkeit zugunsten von Erfahrung. Frauen reisen nicht naiv, sondern informiert, aufmerksam und selbstverantwortlich. Die leise Verschiebung, die sich hier abzeichnet, ist deshalb mehr als ein Trend – sie ist ein Hinweis darauf, wie sich Reisen verändert, wenn Frauen ihre Maßstäbe selbst setzen.


Infobox

Zur Umfrage

An der Umfrage nahmen 63 Frauen teil.

  • Über die Hälfte war zwischen 30 und 49 Jahre alt
  • Ein großer Teil zwischen 50 und 65 Jahre
  • Acht Teilnehmerinnen waren zwischen 19 und 29 Jahre

Fast alle gaben an, einen EU-Pass zu besitzen und die damit verbundene Reisefreiheit zu nutzen.

Quellen

Women, Peace and Security Index: Internationaler Vergleich zur Sicherheit, Integration und zu Rechten von Frauen, herausgegeben vom Georgetown Institute for Women, Peace and Security (GIWPS).

VCÖ – Mobilität mit Zukunft (2018): Erkenntnisse zur geschlechtsspezifischen Mobilität im Alltag, insbesondere zur Nutzung von Fußwegen und öffentlichem Verkehr.

Wandern in der Schweiz 2020: Soziodemografische Auswertung zum Wanderverhalten, S. 37.
Datenbasis: wandern-in-zahlen.ch

Terre des Femmes & Bolt: Studie zur subjektiven Sicherheit von Frauen im öffentlichen Raum und beim nächtlichen Unterwegssein, veröffentlicht u. a. im Handelsblatt.

<Sechs Tipps für deine Soloreise – Link folgt demnächst>

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