Chor Virap am Ararat: Wo Armeniens Geschichte und die Tradition der Friedenstaube lebendig bleiben

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von Reisefüchsin Helga Scheichelbauer

Mach es wie der Papst: Lass eine Friedenstaube am Fuß des Ararat in den Himmel steigen. Für viele Armenier ist der majestätische Berg ein Heiligtum – sie nennen ihn liebevoll „Masis“, die „Mutter der Berge“. Am Kloster Chor Virap, einem der bedeutendsten Pilgerorte im Land, kannst Du diese symbolische Geste selbst erleben.

Der Ararat: Zwei Gipfel, ein Mythos

Das Kloster Chor Virap liegt direkt vor der imposanten Silhouette des Ararat, der heute auf türkischem Staatsgebiet steht. Viele Besucher fragen sich, welcher Gipfel eigentlich der berühmte Ararat ist. Die Antwort: beide.

  • Großer Ararat: 5.137 m
  • Kleiner Ararat: 3.896 m

Zwischen ihnen liegt eine wannenartige Senke. Diese markante Form hat wohl zahlreiche Mythen und Geschichten über den Berg inspiriert. Besonders eine biblische Erzählung spielt in Armenien, der weltweit ersten christlichen Nation, eine symbolische Rolle – die biblische Erzählung von Noah. Demzufolge landete Noah mit seiner Arche auf dem Ararat, als das Land von der Sintflut überschwemmt war.  Noah ließ drei Tauben fliegen; eine kehrte mit einem Ölzweig zurück – als Zeichen des Friedens. Aus dieser Erzählung entstand der Brauch, in Chor Virap eine Taube mit einem Wunsch in den Himmel zu schicken.

Die Tradition der Friedenstauben

Auf einem Hügel neben dem Kloster traf die Reisefüchsin einen Mann mit einem Käfig voller weißer Tauben, die darauf warteten, freigelassen zu werden. Auf ihre Frage nach dem Preis meinte er nur:
„Nichts. Das ist für den Frieden.“
Andere Reisende erzählten jedoch, sie hätten rund 1000 Dram bezahlt.

Die zutrauliche Taube wurde der Reisefüchsin direkt in die Hand übergeben. Dort ruhte die weiße Federschönheit völlig entspannt, bevor die Reisefüchsin die Hände öffnete und das Täublein davonflog.  Der weiße Vogel flog nicht weit – sein gutes Recht. Letztlich lebt dieser Brauch von der Absicht: Dem Wunsch nach Frieden. Allein dafür ist es wert, diese Geste zu wagen. 

Besuche großer Persönlichkeiten

Wie ein hoher katholischer Vertreter erzählt, soll es Papst Franziskus sehnlichster Wunsch gewesen sein, Chor Virap zu besuchen. 2016 ließ er dort eine solche Friedensbotin fliegen – im Zeichen der Aussöhnung mit dem türkischen Nachbarn. Der erste Papst, der diese Pilgerstätte 2001 aufsuchte, war jedoch Papst Johannes Paul II.

Klosterleben, Aprikosenhaine und Armeniens heilige Geschichte

Chor Virap liegt inmitten malerischer Weingärten und Aprikosenhainen. Die Aprikosenernte fällt hier in die Monate Juni, Juli und August. Bauern verkaufen ihre Früchte direkt am Straßenrand.

Die Klosteranlage umfasst:

  • die Hauptkirche, geweiht der Muttergottes
  • die Gregorskapelle, in der Armeniens Nationalheiliger Gregor als Christ einst im Kerker gefangen war

Gregor wurde erst freigelassen, nachdem er den König von schwerer Krankheit geheilt hatte – daraufhin wurde das Christentum zur Staatsreligion Armeniens, der ersten christlichen Nation weltweit. Besucher können den Kerker heute über eine steile Sprossenleiter betreten.

Auf den Kirchenmauern sind noch immer Votivkreuze zu finden, die von Pilgern einst hinterlassen wurden. Von der Wehrmauer aus gibt es freie Sicht auf den Ararat. Tatsächlich ist der Berg schon von vielen Straßen nach Jerewan aus weithin sichtbar. Kein Wunder, dass der Ararat für die Armenier heilig ist – vieles trägt seinen Namen, sogar ein Fußballverein. Der Berg wird von den Armeniern auch „Maris“ genannt, was übersetzt „Mutter aller Berge“ bedeutet.

Infobox

Eintritt: frei
Zeitaufwand: 3–4 Stunden
Öffnungszeiten: täglich 08:00–19:00
Distanz von Jerewan: ca. 45 Minuten Fahrtzeit

Anreise mit dem Bus

Es fahren regelmäßig Busse aus Jerewan in die Kleinstadt Ararat.

  • Kosten: ca. 300–1000 AMD
  • Der Fußweg von der Stadt zum Kloster dauert etwa 3 Stunden.

Tipp: Busfahrer am besten direkt am Hauptbusbahnhof nach der passenden Haltestelle fragen. Eine Übersetzungs-App kann dabei sehr hilfreich sein.

Anreise mit dem Taxi

  • Preis: ca. 5600 AMD (≈ 13 EUR, Stand September 2025)
    Uber ist in Armenien unbekannt. Stattdessen nutzt man Yandex Taxi, eine weit verbreitete russische App. Sie zeigt auch Nahverkehrsverbindungen an – allerdings funktioniert sie nicht offline. Du brauchst also eine armenische SIM-Karte.

Die Reisefüchsin selbst hat die App nicht genutzt, da sie selten Taxi fährt.

Tipp für alleinreisende Frauen: Taxi teilen und sparen

Im Hostel einfach nach Mitfahrern fragen – mehr als ein paar Minuten kostet es nicht. Wenn Du Glück hast, findest Begleitung und du bist sicherer sowie günstiger unterwegs.
Das hat die Reisefüchsin bezahlt:

  • Hinfahrt: zu zweit → 2800 AMD pro Person
  • Rückfahrt: zu dritt → nur 1500 AMD pro Person

Literaturtipp

Franz Werfel: „Die 40 Tage des Musa Dagh“ – ein eindrucksvoller Roman über den Völkermord an den Armeniern von 1915, der armenische Religion und Kultur tiefgreifend beschreibt.

Probieren solltest du:

Frische Aprikosen im Sommer, Armenischer Wein

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